Magazin "Alle Achtung"

Was Macht macht

Schlechte Folgen und gute Seiten eines allgegenwärtigen Phänomens

Liebe Leserinnen und Leser,

die Corona-Pandemie macht uns allen zu schaffen. Viele Menschen sehnen sich nach Kontakten und dem ganz normalen Alltag. Besonders innerhalb von Familien kommt es durch Isolation, Quarantäne, beengte Lebensumstände, finanzielle Sorgen, unzureichende Möglichkeiten der Kinderbetreuung und fehlende Rückzugsmöglichkeiten oftmals zu mehr Ängsten und Stresssituationen. Manchmal mündet dieser Unmut in Gewalt.

Die soziale Vereinzelung stellt insbesondere Menschen vor besondere Herausforderungen, die sexualisierte Gewalt erfahren haben. Die Kontaktbeschränkungen haben den Betroffenen das stabilisierende Umfeld und die Alltagsstruktur genommen. Es fehlen schützende Umgebungen wie Schule, Sportverein, Kindergarten oder Kirche.

Auch die Arbeit der Fachstelle Prävention ist während der Krise schwieriger geworden, vor allem im Hinblick auf die vielen verpflichtenden Fortbildungen, um Menschen gegen sexualisierte Gewalt handlungsfähig zu machen. Es war kein einfacher Schritt, von Präsenzveranstaltungen auf Online-Fortbildungen umzustellen. Es erschien mir anfangs unmöglich, über digitale Kanäle den Kontakt zu den Menschen aufzubauen und zu halten. Aber durch den Mut aller Beteiligten, sich auf die Veränderungen einzulassen, haben wir in dieser Krise sehr viele Menschen erreicht – sogar solche, die nicht zwingend eine Fortbildung hätten besuchen müssen. Darunter waren auch kranke Menschen, die nicht persönlich zu einer Fortbildung hätten erscheinen können, und Menschen, die einfach nur helfen wollten. Ich empfinde es als eine wunderbare Erfahrung, dass Menschen sich aus verschiedenen Städten und Orten des Bistums aufmachen, um so viel Gutes zu tun. Ich danke Ihnen allen in den Einrichtungen, Pfarreien und überall dort, wo Kinder, Jugendliche und schutz- und hilfebedürftige Erwachsene betreut werden, für Ihr großes Engagement.

Sie versuchen trotz Corona immer wieder neu, dem Thema eine Sprache zu geben. Sie erfüllen die institutionellen Schutzkonzepte mit Leben und sind auch in der aktuellen Lage verlässliche Ansprechpartner*innen für Betroffene. Mein Wunsch ist, dass wir in der Pandemie den Blick für die Betroffenen nicht verlieren und weiterhin den Mut haben, genau hinzuschauen und zu handeln, wenn es nötig ist. Es fühlt sich gut an, wenn Kirche gerade in dieser Zeit spürbar und in guter Weise machtvoll wirksam ist.

Ich wünsche Ihnen eine angenehme Lektüre.

Jutta Menkhaus-Vollmer

Auf Wunsch senden wir Ihnen das Magazin gerne zu.

Kontaktdaten

Post: Fachstelle Prävention von sexuellem Missbrauch und zur Stärkung des Kindes- und Jugendwohles, Neue Straße 3, 31134 Hildesheim

Mail: praevention(ät)bistum-hildesheim.de

Telefon: 05121 307-171