Magazin "Alle Achtung"

Was Leid anrichtet und wie es sich lindern lässt

Liebe Leserinnen und Leser,

das Corona-Virus wirft unser aller Leben derzeit in ungeahnter Weise durcheinander. Dass wir unsere sozialen Kontakte minimieren sollen, dass das persönliche Gespräch, das gemeinsame Arbeiten und Lernen derzeit kaum möglich sind, macht vielen Menschen sehr zu schaffen, mir selbst auch.

Vor diesem Hintergrund erhält die neueste Ausgabe des Magazins „Alle Achtung“ eine ganz besondere Bedeutung: Es gibt mir die Möglichkeit, über dieses Heft (sowie natürlich weiterhin telefonisch oder per E-Mail) den Kontakt zu Ihnen zu halten. Das finde ich sehr wichtig, weil unser gemeinsames Anliegen im Bistum Hildesheim, junge und schutz- oder hilfebedürftige Menschen zu schützen, auch während der Corona-Pandemie nicht in Vergessenheit geraten darf. Im Fokus des Magazins steht das Thema Leid, dem sich die Autorinnen und Autoren dieser Ausgabe in unterschiedlichen Facetten genähert haben. Die Erfahrung sexualisierter Gewalt ist zutiefst geprägt von Ohnmacht und Sprachlosigkeit. Es ist schwer, über das Erlebte zu sprechen. Nicht selten beginnen die Übergriffe so früh, dass die Kinder zu klein sind, um nachzuvollziehen, was geschieht. Dazu kommen Angst, Abhängigkeit und nicht selten auch die Loyalität gegenüber dem Täter oder der Täterin, die die Kinder verstummen lässt.

Missbrauchsopfer reagieren auf die Gewalt, indem sie oft jahrzehntelang die Schuld an dem Verbrechen bei sich selbst suchen. Sie übernehmen als Schuldgefühl, was der Täter als seine Schuld in der Regel nicht übernimmt. Oft dauert der Prozess des In-Worte-Fassens Jahre und Jahrzehnte. Groß ist die Zahl derer, die dauerhaft schweigen – aus Angst, aus Scham, aus Ohnmacht gegenüber dem, was geschehen ist.

Wer versuchen möchte, die Wunden zu heilen, damit das angerichtete Leid sich verändern kann, muss die verwundeten Menschen kennen und mit ihnen sprechen. Er muss ihnen zuhören, wenn sie von ihren Verletzungen, Schmerzen, Fragen, Zweifeln und Ängsten sprechen. Papst Franziskus sieht darin eine klare Aufgabe der Kirche, wenn er sagt: „Barmherzigkeit bedeutet vor allem anderen und zuerst, die Wunden zu heilen.“

Mein Wunsch an Sie zum Schluss dieses Vorworts hat es in den vergangenen Wochen schon fast zum geflügelten Wort geschafft, aber das nimmt ihm nichts von seiner Wichtigkeit: Bitte bleiben Sie gesund!

Eine angenehme Lektüre wünscht Ihnen


Jutta Menkhaus-Vollmer

Auf Wunsch senden wir Ihnen das Magazin gerne zu.

Kontaktdaten

Post: Fachstelle Prävention von sexuellem Missbrauch und zur Stärkung des Kindes- und Jugendwohles, Neue Straße 3, 31134 Hildesheim

Mail: praevention(ät)bistum-hildesheim.de

Telefon: 05121 307-171