Wie beuge ich zuhause und bei der Arbeit mit Kindern vor?

Informationen und Anregungen zu Prävention in Elternhaus, Kindergarten oder Schule.

5 Kinder lächeln in die Kamera am Beckenrand eines Schwimmbads.

Es ist schwierig, Kinder damit vertraut zu machen, dass ihnen auch Bedrohungen begegnen können. Es ist aber eine notwendige Aufgabe.

Auf dieser Seite finden Sie neben grundlegenden Aussagen auch einige Anregungen und Vorschläge, wie Sie als Eltern, Erzieher/innen, Lehrer/innen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen beitragen können.

Zu den Anregungen

Kinder unterstützen bei der Ausbildung eigener sexueller Identität

Kinder sollten einen guten Bezug zu ihrem Körper mit seinen Bedürfnissen entwickeln; sie müssen eine Vorstellung erlernen können, wie ihre eigene sexuelle Identität gelingen kann. Wer den Kindern helfen will, unterstützt sie bei diesem schwierigen und schönen Lernprozess.
 

Scham - Flucht - Suche nach Hilfe

Dabei sollten Kinder auch lernen, der Situation, in der ihre Schamgrenze verletzt wird oder den Personen, die ihnen durch sexuelle Ausbeutung schaden wollen, zu entfliehen oder andere Menschen zu Hilfe zu holen oder sich zu wehren.

Kind läuft auf einem Waldweg von der Kamera weg und dem Ende entgegen.
Hand stoppt fallende Dominos

Kindeswohlgefährdung erfordert Einschreiten

Sexueller Missbrauch an Kindern und Schutzbefohlenen ist eine Kindeswohlgefährdung. Wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Kinder- und Jugendhilfe solche Delikte beobachten, davon Kenntnis erlangen oder vermuten, haben sie entsprechend der gesetzlichen Vorgaben des KICK (Kinder- und Jugendhilfeweiterentwicklungsgesetz) gemeinsam mit dem Kind und den Sorgeberechtigten die Gefährdung zu beenden. Für Schulen gelten vergleichbare Gesetze.

Einer besonderen Gefahr sind solche Kinder ausgesetzt, die unsicher, emotional vernachlässigt und deshalb übermäßig auf Zuneigung angewiesen sind. Kinder brauchen die Nähe und Geborgenheit ihrer Eltern, damit sie Nähe und Geborgenheit nicht bei anderen Menschen suchen müssen.

Kirchliche Mitarbeiter müssen befähigt werden, sich mit sexuell übergriffigen Menschen anzulegen, sie zu konfrontieren; sie müssen ihnen deutlich machen können, dass sie respektloses oder übergriffiges Verhalten nicht dulden.

Schutz durch Selbstsicherheit

Zugleich müssen alle Kinder in ihrer Selbstsicherheit gestärkt werden. Denn die sich entwickelnde Stärke der Kinder ist auf Dauer ihr bester Schutz.

Ein Kind hält ein Pappschild mit "Nein!" in die Kamera

Anregungen

Hier einige Anregungen, wie Sie als Eltern, Erzieherinnen, Lehrer zum Schutz von Kindern und Jugendlichen beitragen können.

  • Erziehen Sie Kinder zu selbstbewussten Persönlichkeiten, die Unrecht und Unangenehmes nicht hinnehmen und „Nein“ sagen können.
  • Informieren Sie sich selbst gut, damit Sie Kindern glauben können, die Ihnen von Missbrauchshandlungen berichten.
     
  • Informieren Sie sich selbst gut, damit Sie Kindern richtige Informationen geben können.
    „Geh nie mit einem Fremden“ ist zwar richtig, aber zu wenig. Besser sagen Sie den Kindern: „Wenn dir etwas komisch vorkommt, darfst du es erzählen.“
    Das muss auch dann gelten, wenn es um Autoritätspersonen oder um die besten Freunde der Eltern geht.
     
  • Sprechen Sie mit Kindern über Sexualität - so können die Kinder eine Sprache entwickeln, in der sie sich mitteilen können. Manche Täter verpacken die sexuellen Handlungen in „Spiele“; sie versuchen dadurch, auch die Sprache zu kontrollieren. Das Kind ist besser geschützt, wenn es seinen Körper und seine Körperteile klar benennen kann - und wenn es andere Worte „dafür“ hat als der Täter; so kann es deutlich machen, was geschehen ist.
     
  • Hören Sie Kindern und Jugendlichen zu, wenn sie Ihnen etwas erzählen wollen. So können die jungen Menschen erfahren, dass sie mit ihren Sorgen zu Ihnen kommen können.
     
  • Erklären Sie Kindern, dass es schöne und hässliche Berührungen gibt und dass es selbst am besten spürt und weiß, wenn es unangenehm wird z. B. beim Schmusen, Toben, Kitzeln.
  • Bestärken Sie ein Kind, das sich gegen unerwünschte Nähe wehrt. (Ein gutes Vorbild für Kinder ist hier die Katze: Die kommt nur dann schmusen, wenn sie es will – und sonst fährt sie die Krallen aus.)
     
  • Sorgen Sie mit für ein unterstützendes Netzwerk und dafür, dass Kinder und Jugendliche Vertraute haben. Als Eltern können Sie z. B. bei der Auswahl von Patinnen und Paten darauf achten, dass diese sich auch emotional um ihr Patenkind kümmern können, wenn Sie als Eltern einmal ausfallen sollten.
    Je isolierter ein Kind aufwächst, umso sicherer kann ein Täter sein, dass das Kind „dichthält“ und ihn dadurch schützt.
     
  • Vermitteln Sie dem Kind, dass sein Körper ihm gehört und dass es selbst entscheiden darf, wie nah ihr oder ihm eine andere Person kommen oder wer es anfassen darf. Dazu gehört z. B. dass sie das Kind bestärken, wenn es auch bei Respektspersonen, bei guten Freunden und Verwandten nicht die Hände schütteln will, nicht geküsst oder umarmt werden mag.
    Verlangen Sie von den Erwachsenen, dass sie die Entscheidung des Kindes respektieren.
     
  • Sprechen Sie übergriffiges Verhalten anderer Erwachsener frühzeitig an, wenn Kinder Ihnen davon erzählen oder wenn Sie so etwas selbst bemerken. Kinder sind selbst oft noch nicht in der Lage, sich abzugrenzen.
     
  • Zeigen Sie den Kindern und Jugendlichen am besten durch Ihr eigenes Vorbild, dass man sich wehren darf, und wie man das macht.

Allerdings: Diese Maßnahmen mindern lediglich das Risiko, dass Minderjährige sexuell missbraucht werden.
Wenn trotzdem jemand Kindern oder Jugendlichen durch solche Delikte schadet, dann brauchen sie erwachsene vertraute Menschen, denen sie sich anvertrauen können und die für sie gegen den erwachsenen Täter eintreten.
Und sie brauchen Hinweise, wo es Hilfe gibt.

Helfen